Eiswerke am Schreventeich in Kiel

Ein Beitrag von Karen Heide in TOP 44

Im Winter 1900/1901 war es sehr kalt in Norddeutschland. Wegen des starken Frostes ruhten die Arbeiten am Stadtrand von Kiel, wo  „auf der grünen Wiese“ der Hohenzollernpark1 und ein Neubaugebiet angelegt werden sollten. Seit Frühjahr 1900 waren bis zu 350 vor allem italienische und polnische Arbeiter damit beschäftigt, die um den Schreventeich gelegenen Pachtgärten zu roden, neue Straßen anzulegen und die Grundstücke für die Bebauung zu erschließen. Auch das Elektrizitätswerk an der Humboldtstraße befand sich gerade im Bau. Nun, im kalten Januar 1901, konnte nicht gearbeitet werden. Alles andere als Ruhe herrschte jedoch auf dem zugefrorenen Teich. Neben Schlittschuhläufern sorgten Männer bei der Eisernte für reges Treiben. Die Kieler Zeitung berichtete am 5. Januar 1901:

„Auf dem Schreventeich bot sich Freitag (d.i. 4.1.01) ein außerordentlich interessantes und lebendiges Bild. Beide dort belegenen Eiswerke waren mit vollem Betrieb bei der Erntearbeit, die zahlreiche Arbeiter beschäftigte. Ein Theil derselben war auf der Fläche selbst postiert, um die ca. 10 Zentimeter starken Eisschollen loszusägen, die dann auf den durch die Sägen geöffneten breiten Kanälen mittels langschäftiger Bootshaken nach den großen Eisschuppen verflößt werden. Während die Eismassen am Mordhorstschen Schuppen durch ein dampfgetriebenes Peteregter-Schöpfwerk zur Dachhöhe emporgehoben werden und von oben in das Gebäude eingefüllt werden, führen von der Front des Speichers der ‚Kieler Eiswerke’ eine Anzahl schmaler Stichkanäle vom Teich unter dem Ufer hindurch vor die offenen Thore des Schuppens. Durch diese Kanäle werden die Schollen und Splitter bis zu dem am Ende befindlichen, oben geöffneten Schacht dirigiert und dort mittels Handwinden emporgehoben und im Schuppen verteilt. Indem zunächst der ganze Boden mit einem Parkett aus Eisschollen belegt wird, die Fugen sodann mit Eisgrus ausgefüllt werden und das Ganze schließlich fest verstampft wird, so dass alles lückenlos zusammenfriert. Auf die erste wird dann eine zweite, dritte u.s.w. Schicht aufgebracht, bis der Schuppen, falls das Frostwetter so lange anhält, von einem gewaltigen, nach und nach aufgemauerten Eisblock angefüllt ist.“2

Das Frostwetter hielt an und die Eisernte war in jenem Winter derartig erfolgreich, dass einige Tage später bei den ‚Kieler Eiswerken’ ein weiterer Lagerraum angebaut wurde.3 Doch kaum einen Monat später begann der Anfang vom Ende der Eishäuser am Schreventeich. Die Vermessung des Geländes und der Aushub der ersten Parkwege erfolgten ab Februar 1901. Die Anlage des Parks war mit umfangreichen Erdbewegungen verbunden, und im September des Jahres ist in der Zeitung nur noch von dem „früheren, bis auf die letzte Wand abgetragenen Eisschuppen“4 die Rede.

Von diesen Gebäuden sind heute Spuren nicht einmal mehr zu erahnen, und der glücklicherweise relativ ausführliche Zeitungsartikel ist eines der wenigen Dokumente, die die Existenz der Eisschuppen in Kiel bezeugen. Fotografien konnten bisher nicht ermittelt werden.

Dieser spärliche Befund trifft allgemein zu auf diese Anlagen, die je nach Größe und Lage als Eisgruben, Eiskuhlen, Eiskeller, Eiskammer, Eisschuppen, Eishäuser, Eismagazine oder Kühlhäuser bezeichnet wurden. Sobald diese äußerst profanen Einrichtungen ihren Nutzwert verloren hatten, wurden sie uninteressant und erhielten keine kulturhistorische Wertzuschreibung. Heute können in Schleswig-Holstein nur noch wenige Eislager, meist auf Gutshöfen gefunden werden. Sie zeichnen sich dementsprechend durch eine vergleichsweise aufwändige Architektur aus.5

In den Eislagern konnte das Natureis bis zu mehrere Monate lang verwahrt werden. Die Aufbewahrungsdauer war abhängig von Standort, Bauart, Art und Umfang der Isolierung (zum Beispiel Torf) sowie den Wetterverhältnissen. Um die Entwicklung des Eishandels und seiner Einrichtungen in Kiel einordnen zu können, folgt ein kurzer Überblick über die lange Geschichte der Schnee- und Eisverwendung.

Als natürliche Ressource stehen Eis und Schnee dort zur Verfügung, wo Wasser und kalte Luft aufeinander treffen, was jedoch nur in bestimmten, zugänglichen Regionen regelmäßig der Fall ist. Dennoch existieren weit zurückreichende Belege über die Nutzung von Eis zu besonderen Anlässen sowie über den Transport und Handel mit dem flüchtigen Gut. Ullrich Hellmann zitiert aus einem 1140 v. Chr. verfassten chinesischen Gedicht, in dem ein Eisgewölbe erwähnt wird,6 und führt etliche literarische Belege über den Gebrauch von Eis und Schnee an, von orientalischen Märchen über die Bibel, antike Schriften bis zu Reiseberichten.7 Die gefundenen Belege weisen darauf hin, dass die raumkühlende Wirkung von Eis und Schnee und der Verzehr gekühlter Speisen und Getränke seit Langem weltweit in den gehobenen Gesellschaftsschichten geschätzt wurden. Schneegekühlte Früchte, Sorbet und Eiswasser wurden serviert, in sommerlichen Lustgärten wurden Schneeberge aufgetürmt und Badewasser gekühlt. „Martial berichtet, daß Eiswasser teurer sein kann als der damit gekühlte Wein.“8 Neben dem Abbau von gefrorenen Gewässern und Berggletschern wurde selbst in warmen Gegenden Eis in aufwändigen Verfahren hergestellt, wie Beschreibungen über die Erzeugung von Verdunstungskälte aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. (Ägypten) und aus dem frühen 19. Jahrhundert (Indien) belegen. Neben physikalischen wurden auch chemische Prozesse zur Kälteerzeugung genutzt, indem Salpeter mit Wasser gemischt wurde.9

Von Italien und Spanien über Frankreich gelangten Eis und Schnee auf den Tafeln der Reichen schließlich auch nach Deutschland. Bis zum Ende des 1800 Jahrhunderts wird in den Quellen Eis immer noch als Luxusgut beschrieben, wenn auch bereits im öffentlichen Verkauf. „Der Florentiner Procope Couteaux, vermutlich ein Nachkomme der Italiener, die im 16. Jahrhundert … nach Frankreich kamen, hatte 1671 im ‚Café Procope‘ [in Paris; Anm. d. V.] den Genuß gefrorener Fruchtsäfte einem größeren Publikum zugänglich gemacht“, und wenig später waren Eishersteller in einer Innung vereint, die unter anderem „eaux de gelée & glaces de fruit & de fleut, d’anis & de canelle“ anboten. Hellmann weiter: „Rezepte für Gefrorenes konnte man in Wien schon 1701 in einem Kochbuch … nachlesen. Man hatte sich im Verlaufe der Jahre so sehr an diese Genüsse gewöhnt, daß in milden Wintern die Befürchtung aufkam, wegen des Mangels an Eis werde es bald keine Eisspeisen mehr geben, wie Ludwig van Beethoven 1793 bemerkte.“10

Es zeigt sich, dass Eis zwar kein seltenes Gut war, lange Zeit jedoch offenbar kein Interesse daran bestand, es zu einer allgemein und immer zugänglichen Ware zu entwickeln. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts blieb der Handel mit Eis insbesondere in warmen Ländern ein monopolisiertes und konzessioniertes Geschäft mit relativ geringer Nachfrage und geringer wirtschaftlicher Bedeutung als „Ausdruck von Luxus dort, wo es natürlicherweise nicht vorkommt, und damit ein Privileg der wenigen, denen das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen im Sinne einer wirtschaftlichen Berechnung gleichgültig sein kann.“11

Der Abbau von gefrorenem Wasser war durchaus auch für Bauern möglich. Doch selbst für diejenigen Bauern, Fischhändler und Schlachter, die ihre Ware bis zum Verkauf auf dem Markt damit gekühlt haben mögen, schien der Handel mit dem restlichen Kühleis ein marginaler Nebenerwerb, denn im bäuerlichen und auch städtischen Alltag spielte Eis in der alltäglichen Lebensmittelhaltung anscheinend keine nennenswerte Rolle. Brunnen, Keller, (in der Regel nach Norden platzierte) Speisekammern oder auch entsprechend gefertigte Gefäße genügten, meist unter Verwendung von Verdunstungskälte, zur Kühlung von frisch zu verzehrenden Milchprodukten, Fisch und Fleisch. Andere Konservierungsmethoden wie Einlegen, Pökeln, Räuchern, Trocknen, später auch Einkochen, waren wetterunabhängig und längerfristig anzuwenden. Zudem wurde der Speiseplan von Getreidespeisen beherrscht, und „in vielen Familien stellte sich das Kühl- und Vorratsproblem überhaupt nicht in diesem Maße. Wer ohnehin von der Hand in den Mund lebte und gerade den täglichen Einkauf finanzieren konnte, der brauchte sich um Kühlung … keine Sorgen zu machen.“12 Erst seit sich ab 1800 die Nachfrage stärker entwickelte, sind Lieferungen durch Bauern belegt, so zum Beispiel an den Frankfurter Konditor S. Roeder, der 1820 einen Eissalon betrieb und die dazu notwendige Eisgrube anlegt hatte.13

Nur langsam entwickelte sich entsprechend der je unterschiedlichen Bedingungen in den einzelnen Ländern eine größere Nachfrage nach Eis. Der amerikanische Gewürzhändler Frederic Tudor (1783-1864) gilt als Pionier des kommerziellen Eishandels, der sein Geschäft 1805 mit einer Schiffsladung von 130 Tonnen Eis nach Martinique begann. „Das über weite Entfernungen gehandelte Eis verbindet Nordamerika bald mit Südamerika, mit Indien und Australien, verbindet Nordeuropa mit Mitteleuropa und Afrika, läßt London zum Handelsgebiet für norwegisches und amerikanisches Eis werden. 1822 trifft die erste norwegische Schiffsladung in Großbritannien ein.“14 So wurden bereits 1835 in Kalkutta in einer dreiwandigen Eiskammer 30.000 Tonnen Eis eingelagert, die aus Amerika verschifft worden waren.15

Von Boston ausgehend weitete sich der amerikanische Eisabbau und -handel, der immer umfangreicher rationalisiert und technisiert wurde, im 19. Jahrhundert zu einer riesigen Industrie mit entsprechender Beeinträchtigung der Natur aus. Es entstanden große Abbaugebiete unter anderem am Kennebec-Fluß in Maine, wo um 1880 Lagerhallen für ca. 4,5 Mill. Mark errichtet worden waren, die die Gewinnung und Lagerung von 1.250.000 Tonnen sauberen und kristallreinen Eises ermöglichten. In dieser Zeit verlangte allein der amerikanische Markt bereits nach ca. 5 Mill. Tonnen Natureis. Um 1900 wurden 25 Mill. Tonnen vermarktet. Allein am Hudson-River wurden in 125 Eishäusern über 13 Mill. Tonnen Eis gelagert.16 Die aufkommenden Medien wurden genutzt, um die Nachfrage nach Kühleis bis in die Privathaushalte hineinzutragen. In allen Bereichen der Lebensmittelproduktion, -lagerung und im Transport wurde es verwendet, vornehmlich in der Fleischverarbeitung und vor allem in Brauereien. Tausende von Arbeitsplätzen entstanden und spezielle Geräte wurden entwickelt, um das Eis in regelmäßigen Blöcken abbauen und lagern zu können.17 Die Probleme bei Gewinnung, Transport und Aufbewahrung der vergänglichen Ware führten je nach lokalen Bedingungen zu vielen verschiedenen, aber auch vergleichbaren Lösungen in Form von in die Erde gebauten Eisbehältern über große Eishäuser bis zu kleinen mit Zinkblech verkleideten Holzschränken für die Küche und in Form von Isolationsmaterial, wozu häufig Stroh bzw. Spreu, Torf und Luft eingesetzt wurden.

Illustration zur Eisernte der Norddeutschen Eiswerke in Rummelsburg, um 1896. Original in der TU Berlin. Aus: Heintze 2012, S. 35.
Illustration zur Eisernte der Norddeutschen Eiswerke in Rummelsburg, um 1896. Original in der TU Berlin. Aus: Heintze 2012, S. 35.

In Europa begannen die Norweger um 1820 mit dem Export von Eis aus Seen, von Gletschern und aus dem Oslofjord. Norwegen war bereits zum größten Kühleishändler avanciert, als am Ende des 19. Jahrhunderts in anderen Ländern die kommerzielle Natureisverwertung mit Hilfe des inzwischen entstandenen Eisenbahnnetzes verstärkt betrieben wurde. Amerikanische Ausmaße wurden jedoch bei Weitem nicht erreicht. Die größte Anlage in Deutschland, die „Norddeutschen Eiswerke“, stand am Rummelsburger See bei Berlin, wo in den 1880er Jahren in neun Schuppen ca. 50.000 Tonnen Eis gelagert werden konnten. Die Firma betrieb Dependancen unter anderem in Köpenick, Plötzensee, Hannover und Frankfurt am Main und transportierte mit 150 eigenen Wagen täglich 300 Tonnen nach Berlin. Hauptabnehmer waren auch hier Brauereien. Die größten Natureiswerke, im Besitz nur weniger Unternehmer, befanden sich in der Nähe der Großstädte Frankfurt, München, Nürnberg und Dresden, jedoch vor allem bei Berlin, wie auch die „Ältesten Berliner Eiswerke Louis Thater“ von 1840.18 In milden Wintern wurde Eis aus Norwegen, der Schweiz und Russland zugekauft.19

Nachdem die Markteinführung gelungen war, konnte die Natureisgewinnung trotz vieler witterungsbedingter Widrigkeiten zu einem erfolgreichen Geschäft entwickelt werden, denn das sich selbst auflösenden Gut sorgte für eine permanente Nachfrage. Die nicht akzeptierte Abhängigkeit von Naturprozessen und das bleibende wirtschaftliche Risiko trieb gleichzeitig die Forschung und Entwicklung der künstlichen Eisherstellung an, die mindestens in der Mitte des 16. Jahrhunderts mit der Verwendung von Salpeter zwecks künstlicher Kälteerzeugung begann. Aber erst im Laufe des 19. Jahrhunderts führte konsequente Forschung zu verschiedenen chemischen und physikalisch-mechanischen Kälteerzeugungsverfahren. In Verbindung mit den unterschiedlichen Verfahren strebte man danach, die Geräte zu verkleinern. Auf der Weltausstellung 1862 in London stellte Ferdinand Carré sowohl eine Ammoniak-Absorptionsmaschine, mit der tausende von Pfund Eis auf einmal hergestellt werden konnten, wie auch eine Eistruhe vor, die als Vorläufer des Haushaltskühlschranks gelten kann.20 Insbesondere der Bedarf der Brauereien für die gleichmäßige Abkühlung der Bierwürze beförderte die Nachfrage nach Kühlsystemen, gefolgt von der Fleischindustrie, die sich im Zusammenspiel mit den Kühlmöglichkeiten entwickelte. Wie auch F. Carré war Carl Linde für Brauereien tätig und „berichtet in seinen Lebenserinnerungen, daß mit der geringen Natureisernte im milden Winter 1883/84 ‚eine Sturzflut von Aufträgen’ über ihn hereinbricht.“ Linde weiter: “1891 standen 747 meiner Kältemaschinen in 445 Brauereien in Gebrauch.“21

Die Natureisverwendung erhielt somit zunehmend Konkurrenz durch die industrielle Produktion von Blockeis und den Einsatz von großen Kältemaschinen. Der Einzug der kleinen technischen Kühlgeräte als Ersatz für die mit Blockeis befüllten, doppelwandigen Schränke in den Privathaushalten zog sich jedoch über mehrere Jahrzehnte hin. Noch „nach 1925 fahren im Sommer jeden Morgen dreißig Eiswagen durch die Straßen Frankfurts, und jeder Kutscher hat 200 bis 300 Kunden zu beliefern.“22 In Deutschland dauerte es bis in 1930er Jahre, bis einigermaßen wirtschaftlich arbeitende Haushaltskühlschränke von der wohlhabenden Oberschicht konsumiert werden konnten. 1937 wurde die Ausstattung mit Kühlschränken im Deutschen Reich auf ca. 80.000 und damit ca. 0,5-1% der Haushalte geschätzt.23 Das nationalsozialistische Regime förderte die Entwicklung eines „Volkskühlschranks“ zu einem geringen Anschaffungspreis im Sinne seiner Autarkiepolitik. Unter anderem sollte Lebensmittelverlusten entgegengewirkt werden, und so lautete die Parole: „Kampf dem Verderb“.24 Kriegsbedingt wurden die Ziele nicht erreicht, doch in der Nachkriegszeit griff man auf die Entwicklungsergebnisse zurück.25 Es begann der Werbefeldzug für den Kühlschrank, der zu den Symbolen für das Motto „Wohlstand für alle“ gehörte, obwohl eine sinnvolle Kosten-Nutzen-Relation lange noch nicht für alle Schichten galt. Erst Mitte der 1970er Jahre war der Markt in der BRD annährend gesättigt, nachdem durch neue Fertigungsmethoden die Anschaffungskosten deutlich gesenkt werden konnten.26 Heute gehört der Kühlschrank zur selbstverständlichen Küchenausstattung, obwohl bei genauerer Betrachtung nach wie vor seine Notwendigkeit in Frage gestellt werden könnte. Heutige Einkaufsmöglichkeiten und eine kaum noch notwendige Vorratshaltung sowie Stromverbrauch und betriebsnotwendige Schadstoffe könnten dabei in die aktuelle Kosten-Nutzen-Rechnung einfließen.27

Festzustellen bleibt, dass die Produktion und Nutzung von Natureis und künstlich erzeugter Kälte in Deutschland über einen langen Zeitraum gleichzeitig kommerziell betrieben wurde.

Eisherstellung, Eishandel und Eislagerung in Kiel

Die Einrichtungen der Natureis-Industrie in Europa und Deutschland sind nur in Teilen erforscht, so Stephan Lütgert.28 Er hat sich der Anlagen in Hamburg und Schleswig-Holstein angenommen und Daten über 234 (ehemalige) Eiswerke und Kühlhäuser recherchiert und zum Teil auch fotografisch dokumentiert. Die beiden hier hauptsächlich vorgestellten Eiswerke am Schreventeich in Kiel wurden von Lütgert nicht erfasst und in Bezug auf die Eiswerke am Drachensee sind seine Darstellungen etwas ungenau. Somit wird hier eine weitere kleine Forschungslücke geschlossen.

Der Eiskeller am Kieler Schloss

Vor den umwälzenden Um- und Ausbauten im Kieler Stadtgebiet, die um 1865 einsetzten, existierten etliche Teiche und Bäche. Sie wurden nach und nach kanalisiert, zugeschüttet und bebaut. Es kann zwar angenommen werden, dass die Bevölkerung sich Eis, wenn vorhanden, zunutzte machte, Belege gibt es jedoch nicht.

Der einzige Nachweis aus der Zeit vor der sogenannten zweiten Stadtgündung, das heißt vor der Ernennung zum Kriegshafen des Deutschen Bundes 1867 und zum Reichskriegshafen 1871 mit der entsprechenden Stadterweiterung, bezieht sich auf einen „gantz verfallene[n] Eys-keller“ beim Kieler Schloss. Der Architekt Rudolf Dallin schlug 1727 in einem Kostenvoranschlag den Neubau des bereits 1708 ausgebesserten Gebäudes vor. Er plante einen achteckigen, hölzernen Bau. Ein Plan von 1740 zeigt einen runden Eiskeller aus Feldsteinen, dessen Dach 1763 zwecks besserer Konservierung des Eises vergrößert wurde.29 Nicht belegt ist die Bezugsquelle für das Eis. Es liegt jedoch nahe, dass es aus dem damals noch herrschaftseigenen Schreventeich bezogen wurde.

Die Eiskeller auf den Gütern Schulenhof und Schwartenbek

Eiskeller auf Gut Schwartenbek bei Kiel. Foto: Karen Heide, 2005.
Eiskeller auf Gut Schwartenbek bei Kiel. Foto: Karen Heide, 2005.

Mit welchem Eis die gutseigenen Eiskeller in Schulenhof und Schwartenbek gefüllt wurden, ist nicht belegt, vermutet werden können die zahlreich vorhandenen nahegelegen Gewässer. Auf dem Gut Schulenhof, heute Ortsteil Schulensee der Gemeinde Molfsee, soll bis 1918 ein nach 1873 errichtetes, ca. 36 qm großes, hölzernes Eishaus gestanden haben.30

Der in einen kleinen Hang gebaute Eiskeller auf Gut Schwartenbek befindet sich noch heute in der Nähe des Haupthauses. Ein geschweifter Schaugiebel aus rotem Backstein und weitere Zierelemente verleihen dem Funktionsbau eine aufwertende und einzigartige Note. Schwartenbek wurde im 18. Jahrhundert angelegt und mehrfach umgebaut. Das heutige, in barockisierender Architektur ausgeführte Haupthaus stammt aus dem Jahr 1923. Der Eiskeller bzw. seine Bestandteile sind nicht genau datiert, und vermutlich ist die Anlage im Ganzen älter als der Schaugiebel.31

Der Eiskeller der Akademischen Heilanstalten

Plan des Eiskellers „der klinischen Universitätsanstalten zu Kiel“. A = Eisraum, B = Eingangsschleuse, C = Luftschicht zur Isolierung, D = Erdanschüttung. Original in der TU Berlin. Aus: Heintze 2012, S. 5.
Plan des Eiskellers „der klinischen Universitätsanstalten zu Kiel“. A = Eisraum, B = Eingangsschleuse, C = Luftschicht zur Isolierung, D = Erdanschüttung. Original in der TU Berlin. Aus: Heintze 2012, S. 5.

Über die Konstruktion des steinernen Eiskellers der Akademischen Heilanstalten (Universitätskliniken), in den 1870er Jahren für 12.000 Mark erbaut, liegt von dem ausführenden und auf Eisbehälter spezialisierten Kieler Architekten Joseph E. Mose (1825-1898) eine ausführliche Beschreibung vor. Ein Plan wird in der Bibliothek der TU Berlin archiviert und ist im Internet zugänglich.32 Die Sohle des runden Gebäudes wurde möglichst tief gelegt, die doppelte Umfassung war einen Meter breit, und die Konstruktion nutzte vornehmlich Luft als Isolierung. Der Architekt hatte eine schwierige Aufgabe zu lösen, denn: „Da es in dortiger Gegend leicht Winter gibt, während welcher kein Eis gewonnen werden kann, so lag die Aufgabe vor, den Eisbehälter so groß zu bemessen, dass der Inhalt für zwei Sommer ausreiche.“33

Der Eishandel

Mit Zink ausgekleideter Holzkühlschrank, um 1900. Stadt- und Schifffahrtsmuseum Kiel. Foto: Karen Heide, 2005.
Mit Zink ausgekleideter Holzkühlschrank, um 1900. Stadt- und Schifffahrtsmuseum Kiel. Foto: Karen Heide, 2005.

Es ist kaum verwunderlich, dass der kommerzielle Eisabbau und -handel in Kiel in den 1870er Jahren aktenkundig wurde. Die Stadt bot als Werften- und Marinestandort vielen Menschen Arbeit, die Einwohnerzahl wuchs rapide und damit der Bedarf an Lebensmitteln, die gekühlt werden sollten, auch hier vor allem das Bier. Abnehmer für das Eis waren neben Brauerein und Gastwirtschaften auch Meiereibetriebe, Konditoreien, Schlachtereien, Fischhändler, Krankenhäuser und zunehmend private Haushalte. Ein zinkverkleideter Holzkühlschrank, laut Typenschild von der Kieler Firma Johannsen & Schmielau, aus der Zeit um 1900 befindet sich im Besitz des Kieler Stadtmuseums.

Im Januar 1889 hatten die Krankenanstalten in Gaarden in der Kieler Zeitung eine Ausschreibung für Eislieferung veröffentlicht, was darauf schließen lässt, dass es auch dort einen größeren Eiskeller gegeben haben muss. Eine Woche später berichtete die Zeitung:

„Das anhaltende Frostwetter veranlasst Brauereien und Meiereien zum Eiskauf. Abgefahren wird vom Schulensee, Drecksee, Holzwiese am Viehburger Gehölz und aus dem Teich an der ‚Perle‘. 16-20 Wagenladungen sieht man voll beladen hintereinander die Hamburger Chaussee zur Stadt fahren“.34

Die bis zu 5 Zoll dicken Eisschollen wurden für 2 Mark je Fuder verkauft.35 Dennoch schien das Eis nicht auszureichen. In jenem Jahr wurden 763,4 Tonnen Eis aus Dänemark bezogen.36

Einige Brauereien, die auch in Kiel zu den Hauptkonsumenten von Blockeis gehörten, versorgten sich über gepachtete Wasserflächen selbst. Als Eishändler tritt vor allem die Firma Mordhorst in Erscheinung.

Aus den lückenhaften Statistiken der Kieler Handelskammer von 1889 bis 1905 lässt sich nicht ablesen, wie viele und welche Firmen am überregionalen Eishandel beteiligt waren. Auch lassen sich die extremen Schwankungen und Zusammenhänge zwischen Ein- und Ausfuhrmengen ohne weitere Parameter, wie zum Beispiel Witterungsverhältnisse, nicht analysieren. Einige Mengen sollen hier jedoch genannt werden, um die Dimensionen zu veranschaulichen. Im Jahr 1889 wurden aus Dänemark 763 Tonnen Eis importiert, 1891 bis 1893 gab es keine Importe. Stattdessen wurden 16 Tonnen im Bereich der Kieler Förde ausgeliefert. Erst wieder im Jahr 1894 bezog man Eis aus Norwegen und in diesem Jahr wurde mit 13.854 Tonnen die Spitze erreicht. Gleichzeitig lieferte man 5,3 Tonnen Eis in die Häfen der Kieler Förde und darüber hinaus. Ein Jahr später kam nicht einmal mehr die Hälfte aus dem Ausland, dafür wurde mehr Eis ausgeführt. Die Spitze bei der Ausfuhr ist 1896 ausgewiesen. Mit 115,5 Tonnen lag sie in diesem Jahr bei ca. 7 Prozent der Einfuhrmenge.

Der Eisabbau in Kiel

Galgenteich

Vier Brauereibesitzer, die den Galgenteich37 zum Eisabbau nutzten, stritten 1874 um die Abbaumengen. Seitdem wurde die Wasserfläche im Winter planmäßig nach Quadratmetern zwischen den Pächtern Aktien-Brauerei, Stocks, Arp, Schlüter & Co. und Ebers aufgeteilt. Die Brauerei Stocks unterhielt außerdem einen Eisschuppen.38 1882 übernahm der Steinsetzer und Pferdefuhrwerker Friedrich Mahnke die Erntefläche und den Eisschuppen von Stocks. Doch auch zur Familie Mahnke gehörte ein Bierhändler, der in der Schloßstraße ein Geschäft betrieb.39 Die Pachtverträge wurden jeweils über fünf Jahre geschlossen, um unregelmäßiges Wetter auszugleichen. Die letzten Verpachtungen liefen von 1882 bis einschließlich dem Winter 1887/88, in denen die Stadt insgesamt 438 Mark pro Jahr Gebühren für die Eisentnahme erhob.40

Nach dem Tod Friedrich Mahnkes führte seine Frau Helene den Betrieb weiter. Frau Mahnke wohnte in der Alten Reihe 12 (heutiges Gelände der Ostseehalle/Sparkassen-Arena) und ist im Adressbuch als Betreiberin von „Molkerei, Kindermilchstation und Eishandel“ aufgeführt.41 Auch sie hatte also einen Eigenbedarf an Kühlmitteln für die anderen Geschäftszweige.

Im März 1887 brannte ihr Eisschuppen ab. Da zu diesem Zeitpunkt bereits beschlossen war, dass der Galgenteich nach dem nächsten Winter zugeschüttet und bebaut werden sollte, beantragte Helene Mahnke bei der Stadtverwaltung die Anpachtung von zwei Kleingartenparzellen am Schreventeich zwecks Einrichtung einer Eisfabrik und erhielt die von ihr gewünschten Parzellen am Südufer des Teiches (heute Arndtplatz). Sie musste eine erhöhte Pacht von 100 Mark pro Jahr zahlen, da „die daneben gelegenen übrigen Gärten durch die projectierte Anlage eines Eishauses für Gartenliebhaber entschieden an Werth“ verloren. Das Eishaus wurde 1888 errichtet.42

Schreventeich

Elevator, hier eines Eisspeichers in Rixdorf (heute Berlin-Neukölln), um 1899. Original in der TU Berlin. Aus: Heintze 2012, S. 37.
Elevator, hier eines Eisspeichers in Rixdorf (heute Berlin-Neukölln), um 1899. Original in der TU Berlin. Aus: Heintze 2012, S. 37.

Bereits im Jahr 1873 hatte der Kaufmann, Gastwirt und Stadtrat Heinrich Wichmann auf der sogenannten „Klein-Kielstein-Koppel“ am nördlichen Ufer des Schreventeichs vier Kleingartenparzellen gepachtet und ein Eishaus errichten lassen. Wichmann erhielt eine Mengenzuweisung, ansonsten gab es auf dem Schreventeich keine Zuteilungsflächen. So haben die Fuhrleute der Brauerei Ebers im Winter 1876/77 aus der zugewiesenen Fläche im Galgenteich 1483 m3 und von dem frei zugänglichen Schreventeich 1072 m3 Eis geholt, insgesamt also 2555 Fuder.43

Der mit seinem Eishaus ansässige Wichmann erhielt die Erlaubnis, für einen Aufseher ein Wohnhaus mit Pferdestall zu bauen unter der Bedingung, „dass jeglicher Urin und sonstiger Abfluß niemals in das Wasser des Schreventeiches wird gelangen können.“44 In diesem Haus wohnte 1889 der Arbeiter Wilhelm Lucht mit seiner Frau Anna, was aus der Geburtsurkunde ihres Sohnes Karl vom 4. September d.J. hervorgeht, in der als Adresse „Knooper Weg – Eishaus ohne Nummer“ genannt wird.45 Im Adressbuch der Stadt lautet der Eintrag in dieser Zeit „Wichmann’s Eishaus“. Ab 1895 ist nur noch die Bezeichnung „Eishaus“ angegeben und als Besitzer die „Kieler Eiswerk GmbH“, deren Kontor sich in der Hafenstr. 11 befand und deren Geschäftsführer der Kaufmann August Seibel war. Bis 1901 existierten die „Kieler Eiswerke“ am Schreventeich.46 Danach plante das Unternehmen den Umzug an den Kopperpahler Teich in Kronshagen.47

Schräg gegenüber von „Wichmanns Eishaus“ am östlichen Ufer errichtete 1888 Helene Mahnke ihren Betrieb am Südufer, nachdem ihrem Antrag trotz der, jedoch nur lahmen, Bedenken des Stadtrats und Konkurrenten Wichmann entsprochen worden war. Ein Jahr darauf bat sie erfolgreich um die Erlaubnis, an beiden Enden des Eisschuppens einen zwei Meter hohen Plankenzaun mit abschließbaren Durchgangstüren errichten zu dürfen, „um einen Eiselevator aufstellen zu können und die Dampfmaschine pp. gegen ruchlose Hände schützen zu können.“48

Helene Therese Mahnke, geb. Schlüter (1857-1920), heiratete 1890 den aus Meimersdorf stammenden Landwirtssohn Ernst Detlev Mordhorst (1864-1942), der ebenfalls in der Alten Reihe 12 und als „Verwalter der Fa. Mahnke“ gemeldet war.49 Nach der Heirat übernahm er das Eiswerk am Schreventeich, das bis 1901 als „Mordhorstscher Eisschuppen“ bezeichnet wurde.50

Beide Eiswerke am Schreventeich mussten dem Projekt „Hohenzollernpark“ weichen. Der Mordhorstsche Eisschuppen machte Platz für den Arndtplatz als repräsentativem Entree für den neuen Park und die „Kieler Eiswerke“ wichen an der Ecke Goethestraße/Humboldtstraße dem Elektrizitätswerk.

Drachensee

Im Firmenregister der Handelskammer zu Kiel erscheint Ernst Detlev Mordhorst als Betreiber von vier Gewerben: Rollfuhrwerkbesitzer, Steinsetzergeschäft, Bauunternehmung und Eishandel. 1894 kaufte Mordhorst den „Drecksee“, heute Drachensee, an der Hamburger Chaussee in Hassee und richtete dort sein zweites Eiswerk mit zwei großen Schuppen ein. Die Wände waren ca. einen Meter dick und mit Torf isoliert.51 Ein dampfbetriebener Elevator transportierte das Eis von der Abbaustelle im See in die Lagerhallen. 1909 kam ein weiterer Schuppen mit Pferdeställen hinzu, so dass sich vermutlich eine Gesamtlagerfläche von ca. 2000 m2 ergab.52

Familie Mordhorst ließ 1903 auf dem Gelände ein erstes Wohnhaus errichten53 und stellte zur gleichen Zeit erfolgreich den Antrag beim Regierungspräsidenten, das Gewässer in „Drachensee“ umbenennen zu dürfen.54 1925 entstand durch Umbau und Erweiterung eines Vorgängerbaus die Villa „Haus Drachensee“, die heute noch vorhanden ist.

Der 1892 geborene Sohn von Helene und Ernst Mordhorst kam im 1. Weltkrieg ums Leben. Helenes Söhne aus erster Ehe, Fritz und Karl Mahnke, von Beruf Ingenieure, erhielten zunächst für einige Jahre Prokura in der Firma E. Mordhorst, bevor sie 1920 als Gesellschafter in das Geschäft eintraten.55 Mitte der 1930er Jahre wurde das Eiswerk noch in einem Mitgliedsverzeichnis der Lebensmittelindustrie aufgeführt. Doch 1938 stellte Mordhorst einen Bauantrag zur Errichtung eines Wagenschuppens an der Stelle der Eisschuppen und verkaufte das Gelände wenig später an die Kieler Brot- und Gebäckfabrik Joh. Steffens. Seit 1952 gehören Grundstück und See der Stadt Kiel.56

Künstliches Eis

Zur Abrundung des Themas folgen noch einige kurze Hinweise zur kommerziellen Kunsteisfabrikation in Kiel.

Firma Mordhorst

Um das Jahr 1900, als das Natureiswerk am Schreventeich aufgegeben werden musste, erweiterte Ernst Mordhorst seine Firma um die „Kieler Kristalleisfabrik“ im Sophienblatt 58 in Kiel (Bahnhofsnähe). Vermutlich bis zu den Kriegsschäden 1942 wurde dort Kunsteis produziert.57

Firma Dornbräu (später Dorn Biervertriebs GmbH)

1905 errichtete die Firma „Dornbräu“ in der Braustraße 5-7 in Hassee eine Brauerei, die 1926 aufgegeben wurde. Stattdessen entstanden dort um 1930 eine Nudelfabrik und in Konkurrenz zur Firma Mordhorst eine Eisfabrik, deren Betriebsdauer nicht bekannt ist. Auch diese Fabrik wurde 1943 beschädigt.58

Seefischmarkt

Im Jahr 1953 übernahm die Kieler Seefischmarkt GmbH das Eiswerk von der Hochseefischerei Kiel. Das Werk produzierte mit einer Kapazität von ca. 100 Tonnen pro Tag das Eis, das für die Versorgung von Fischerei und Fischwirtschaft benötigt wurde. 1975 wurde der Betrieb eingestellt.59

Gekürzte Version veröffentlicht in: "mittendrin" - Magazin der Stadtwerke Kiel 12/2005.

Literatur

  • Giedion, Sigfried (1982): Die Herrschaft der Mechanisierung. Ein Beitrag zur anonymen Geschichte [Original: Mechanization Takes Command, Oxford, 1948], Frankfurt a. M.
  • Heintze, Norbert (2012): Eiskeller und Eiswerke in Berlin und Brandenburg. Privatveröffentlichung als pdf; www.Eiskeller-Brandenburg.de; Zugriff am 7.10.2012.
  • Hellmann, Ullrich (1990): Künstliche Kälte. Die Geschichte der Kühlung im Haushalt. Giessen.
  • Lütgert, Stephan (1994): Eiskeller im Altkreis Eckernförde, in: Jahrbuch Heimatgemeinschaft Eckernförde e.V., 52/1994, S. 89-101.
  • Lütgert, Stephan A. (2000): Eiskeller, Eiswerke und Kühlhäuser in Schleswig-Holstein und Hamburg. Ein Beitrag zur Kulturlandschaftsforschung und Industriearchäologie. Husum.
  • Stender, Detlef (1993 a): Mühen, Sinne, Kniffe. Vom Kühlen ohne Strom. In: „Das Paradies kommt wieder …“. Zur Kulturgeschichte und Ökologie von Herd, Kühlschrank und Waschmaschine. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, hg. vom Museum der Arbeit. Hamburg, S. 78-99.
  • Stender, Detlef (1993 b): Das bittere Ende. Ökologische Aspekte des Kühlschranks. In: „Das Paradies kommt wieder …“. Zur Kulturgeschichte und Ökologie von Herd, Kühlschrank und Waschmaschine. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, hg. vom Museum der Arbeit. Hamburg, S.100-107.

Quellen

  • http://www.seefischmarkt-kiel.de/index.php?/Informationen/Unternehmen/geschichte.html; Zugriff am 7.10.2012.
  • Stadtarchiv Kiel, Nr. 9331 Akte betr. Galgenteich.
  • Stadtarchiv Kiel, Nr. 10230 und 10231: Gewerbesteuer-Notiz-Register.
  • Stadtarchiv Kiel, Nr. 10293 und 10294 Verpachtung und Kündigung von Pachtgärten 1901-1902.
  • Stadtarchiv Kiel, Nr. 10328 Zuschüttung des Galgenteiches.
  • Stadtarchiv Kiel, Nr. 19120 Antrag auf Einfriedigung um einen Eiselevator 1889.
  • Stadtarchiv Kiel, Nr. 22050 Verpachtung der Gärten Klein-Kielstein-Koppel.
  • Stadtarchiv Kiel, Nr. 21692 Umbenennung Drecksee 1903.
  • Stadtarchiv Kiel, Nr. 21812 Verpachtung der Parzellen der Schreventeichkoppel an die Witwe Helene Mahnke behuf Erbauung eines Eisschuppens 1887.
  • Stadtarchiv Kiel, Nr. 23953 Verkauf Bauplätze Block B Schreventeichgelände 1904.
  • Stadtarchiv Kiel: Adressbücher der Stadt Kiel 1886-1903.
  • Stadtarchiv Kiel: Verwaltungsberichte der Stadt Kiel 1891-96; 1897-1900; 1901-1906.
  • Stadtarchiv Kiel: Berichte der Handelskammer zu Kiel.
  • Stadtarchiv Kiel: Gunter Bolwig, Die Bebauung der Schreventeichländereien im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Unveröffentl. maschinenschriftl. Manuskript. Kiel 1995.
  • Stadtarchiv Kiel: Walter Mordhorst, Chronik der Familie Mordhorst. Kiel 1994.
  • Kieler Zeitung, 7.1.1889 morgens
  • Kieler Zeitung, 12. 1.1889 abends
  • Kieler Zeitung, 5.1.1901 morgens
  • Kieler Zeitung, 10.1.1901 morgens
  • Kieler Zeitung, 19.6.1901 abends
  • Kieler Zeitung, 22. 9.1901 morgens
  • Kieler Zeitung, 18.2.1902 abends
  • Kieler Nachrichten, 25.5.1964 – Wilhelm Reimer: Lebenserinnerungen.
  • Kieler Nachrichten, 22.3.2006, S. 31: „Wer kauft schon Eis aus dem Drecksee?“ von J. Ruske.
  • Amtsgericht Kiel, Registergericht: Firmenregister, betr. Fa. Mordhorst: 1875-1897, Register-Nr. 1811; Akten zum Firmenregister Bd. 83 Blatt 1: Übertragen ins Handelsregister Abt. A No 447 H.R.A. 447 20. Sept. 1902.
  • Telefoninterviews mit Frau Monika Spauke, Kiel, 18.10.2005 und Herrn Gunter Bolwig, Kiel, 24.10.2005.

Fußnoten

  1. Der Schreventeich war seit der Stadtgründung bis 1862 landesherrlicher Besitz, woraus sich auch der Name ableitet: des Grafen Teich = plattdeutsch: ’s grefen dieck = Schreventeich. 1947 wurde der um den Teich angelegte Park in Anlehnung an den vorhandenen Namen von „Hohenzollernpark“ in „Schrevenpark“ umbenannt.
  2. Kieler Zeitung, 5.1.1901 morgens.
  3. Kieler Zeitung, 10.1.1901 morgens: „... Bei den Kieler Eiswerken wird wegen der guten Ernte ein Lagergebäude angebaut.“
  4. Kieler Zeitung, 22.9.1901 morgens.
  5. Eine ausführliche Übersicht mit Beschreibungen und Fotos siehe Lütgert 2000. In dem Kompendium sind die in diesem Text beschriebenen Eiswerke in Kiel jedoch nicht zu finden.
  6. Hellmann 1990, S. 28.
  7. Vgl. Hellmann 1990.
  8. Hellmann 1990, S. 29; siehe auch Lütgert 2000, S. 9-13.
  9. Siehe Hellmann 1990, S. 30-31.
  10. Hellmann 1990, S. 32-33.
  11. Hellmann 1990, S. 34.
  12. Stender 1993 a, S. 80; vgl. auch Hellmann 1990, S. 36-37.
  13. Vgl. Hellmann 1990, S. 91.
  14. Hellmann 1990, S. 37 f. und S. 47.
  15. Vgl. Giedion 1982, S. 646.
  16. Vgl. Hellmann 1990, S. 50 und Lütgert 2000, S. 12.
  17. Eingesetzt wurden: Schneeräumer, Hobel zum Glätten, Pferde- oder Dampf-Eispflüge, Eishaken, Eisgabeln, Eismeißel, dampfbetriebene Elevatoren. Vgl. Hellmann 1990, S. 54 und Giedion 1982, S. 645.
  18. Vgl. Lütgert 2000, S. 12-13.
  19. Vgl. Hellmann 1990, S. 39.
  20. Vgl. Giedion 1982, S. 648-650.
  21. Carl Linde: Aus meinem Leben und von meiner Arbeit. Unveränd. Nachdruck der 1916 erschienen Aufzeichnungen. München 1979, zit. bei Hellmann 1990, S. 60.
  22. Hellmann 1900, S. 91.
  23. Siehe Stender 1993 a, S. 84.
  24. Siehe Hellmann 1990, S. 109-117.
  25. Vgl. Hellmann 1990, S. 113.
  26. Siehe Stender 1993 a, S. 85-89.
  27. Vgl. Stender 1993 b.
  28. Lütgert 2000, S. 16-17.
  29. Siehe Lütgert 2000, S. 204. Belege im Landesarchiv Schleswig-Holstein, Abt. 8.2 Nr. 171.
  30. Siehe Lütgert 2000, S. 208.
  31. Siehe Lütgert 2000, S. 208 und Wilde, L. (Bearb.): Denkmaltopographie der Landeshauptstadt Kiel, Neumünster 1995, S. 540-542.
  32. Siehe Heintze 2012, S. 5. In Heintzes Internet-Veröffentlichung befinden sich viele imposante Fotos und andere Abbildungen von Eisindustrieanlagen, vornehmlich in und um Berlin.
  33. Lütgert 2000, S. 205-206. Lütgert zitiert ausführlich die Veröffentlichung von J.E. Mose: Beitrag zur Frage: ob Eishaus oder Eiskeller. In: Baugewerks-Zeitung 10, 1878, Sp. 187 f.
  34. Kieler Zeitung, 7.1.1889 morgens.
  35. Kieler Zeitung, 12. Januar 1889 abends. Mit der „Perle“ ist das Hotel zur Perle der Gebr. Bracker, ab 1900 der Gebr. Busse gemeint. In den Zeitungen wirbt das Unternehmen mit Freizeitvergnügen auf der Eisbahn incl. Feuerwerk. 1 Fuder = ca. 1 m3.
  36. Berichte der Handelskammer zu Kiel.
  37. Heute etwa das Gelände zwischen Möllingstraße, Stiftstraße und Kronshagener Weg.
  38. Kieler Stadtarchiv, Nr. 9331 und Nr. 10328.
  39. Kieler Stadtarchiv, Nr. 10230 und Nr. 10231.
  40. Kieler Stadtarchiv, Nr. 10328.
  41. Adressbuch der Stadt Kiel 1883.
  42. Kieler Stadtarchiv, Nr. 21812.
  43. Kieler Stadtarchiv, Nr. 9331.
  44. Kieler Stadtarchiv, Nr. 22050.
  45. Telefonische Auskunft von Frau M. Spauke, Kiel, am 18.10.2005. Frau Spauke ist die Enkelin von Karl Lucht, der 1987 mit 98 Jahren verstarb. Frau Spauke berichtete, dass ihr Urgroßvater, Wilhelm Lucht, bis ca. 1900 in dem Eishaus am Schreventeich gewohnt habe und dann zum Kopperpahler Teich in Kronshagen umgezogen sei, ebenfalls in ein Eishaus. Außerdem erzählte Frau Spauke eine Familienanekdote, die ihr Großvater immer wieder erzählt habe, auch und besonders, als er, an Demenz erkrankt, im Pflegeheim gebadet wurde: Anna Lucht, die Mutter von Karl, konnte nicht schwimmen und hatte immer Angst um ihre am Schreventeich spielenden Kinder. Daher hatte sie eine Harke am Haus stehen, denn manches Mal fiel tatsächlich eines der Kinder in den Teich und die Mutter fischte es an den Hosenträgern wieder heraus. Wenn sie ihre Mutter ärgern wollten, riefen die Kinder lauthals: „Ik suup af!“
  46. Adressbücher der Stadt Kiel 1889 ff.
  47. Kieler Stadtarchiv, Nr.10293 und Nr. 10294.
  48. Kieler Stadtarchiv, Nr. 19120: Brief von Frau M. an die Feld- und Wegekommission der Stadt Kiel am 29. 11.1889.
  49. Adressbuch der Stadt Kiel 1890.
  50. Walter Mordhorst (1994): Chronik der Familie Mordhorst. Stadtarchiv Kiel und Firmenregister der Handelskammer zu Kiel, Register-Nr. 1811.
  51. Kieler Nachrichten, 22.3.2006, S. 31.
  52. Vgl. Lütgert 2000, S. 207. Die von S. Lütgert ausgewerteten Bauakten sind unvollständig und enthalten keine Angaben über die genaue Fläche und Höhe der Gebäude.
  53. Vgl. Lütgert 2000, S. 208.
  54. Kieler Stadtarchiv, Nr. 21692.
  55. Walter Mordhorst (1994): Chronik der Familie Mordhorst. Stadtarchiv Kiel.
  56. Vgl. Lütgert 2000, S. 207-208.
  57. Vgl. Lütgert 2000, S. 238.
  58. Vgl. Lütgert 2000, S. 238.
  59. http://www.seefischmarkt-kiel.de/index.php?/Informationen/Unternehmen/geschichte.html; aufgerufen am 7.10.2012.

Ein Gedanke zu “Eiswerke am Schreventeich in Kiel

  1. Sehr geehr­te Gesell­schaft für Volks­kun­de,
    das von der Gesell­schaft für zeit­ge­nös­si­sche Kon­zep­te initier­te Eis­kel­ler­pro­jekt mit Arbei­ten von zeit­ge­nös­si­schen Künst­lern hat eine neue Home­page:
    http://www.eiskellerforschungen.tumblr.com. Es wür­de mich sehr freu­en, wenn wir ein­mal näher in Kon­takt tre­ten könn­ten und mei­ne Kon­takt­da­ten an die Auto­rin Karen Hei­de wei­ter­lei­ten wür­den.

    Bes­te Grü­ße, Vere­na Voigt M.A.
    kontakt@verena-voigt-pr.de
    http://www.facebook.com/eiskellerforschungen

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