Vergessene Orte in Schleswig-Holstein

Während der Begriff des kollektiven Gedächtnisses seit einigen Jahren in den Geisteswissenschaften und im Feulleton en vogue ist, lassen sich in Schleswig-Holstein vielerorts Orte, Plätze und Häuser finden, deren Geschichten den meisten Passanten heute nicht mehr vertraut sind. In Kiel z.B. befindet sich an der Stelle eines Wilhelminischen Wohnhauses ein Einkaufszentrum gleichen Namens; das Gelände, auf dem einst das Hauptgebäude der Universität stand, wird nun als Parkplatz genutzt; vom ehemaligen Marientempel im Düsternbrooker Gehölz blieb lediglich eine ruinenhafte Plattform übrig – die wenigen Beispiele aus Kiel lassen sich, auf ganz Schleswig-Holstein bezogen, zu einer umfangreichen Liste ergänzen.

Alle Interessierten sind aufgerufen, sich an der Rubrik der TOP. Berichte der Gesellschaft für Volkskunde in Schleswig-Holstein e.V. zu beteiligen und dem Vergessen entgegen zu wirken. Der Umfang der Texte sollte drei bis fünf Seiten umfassen, Abbildungen, die sowohl den ehemaligen als auch den derzeitigen Zustand der beschriebenen Objekte zeigen, sind erwünscht.

Postkarte der „Deichschänke“ mit vier Motiven. Im Uhrzeigersinn, beginnend oben links: Die Gaststätte vom Pinnaudeich aus gesehen, der Tresenbereich, ein Kümo bei „Tante Grete“ vor Anker, der Gastraum. Die Innenansichten zeugen von der großzügigen Verwendung von Delfter Fliesen. (Archiv Stadt- und Heimatgeschichtliches Museum Uetersen)

Ein Bei­trag von Mat­thias Bun­zel in TOP 45

Das ehe­ma­lige Gast­haus „Deich­schänke“ liegt unmit­tel­bar an der Deich­schart, die die land­sei­tige Zufahrt zum Ueter­sener Klosterdeich-Hafen an der Pinnau bil­det. Auch wenn die ursprüng­li­che Funk­tion des Hau­ses heute auf den ers­ten Blick nicht mehr erkenn­bar ist, so haben doch viele Ein­woh­ner aus dem Ein­zugs­be­reich der Stadt Ueter­sen sowie aktive und ehe­ma­lige Was­ser­sport­ler der Region, die in der ers­ten Hälfte des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts gebo­ren sind, zum Teil noch sehr leb­hafte Erin­ne­run­gen an diese Schank­wirt­schaft. … wei­ter­le­sen

Illustration zur Eisernte der Norddeutschen Eiswerke in Rummelsburg, um 1896. Original in der TU Berlin. Aus: Heintze 2012, S. 35.

Ein Bei­trag von Karen Heide in TOP 44

Im Win­ter 1900/1901 war es sehr kalt in Nord­deutsch­land. Wegen des star­ken Fros­tes ruh­ten die Arbei­ten am Stadt­rand von Kiel, wo  „auf der grü­nen Wiese“ der Hohen­zol­lern­park1 und ein Neu­bau­ge­biet ange­legt wer­den soll­ten. Seit Früh­jahr 1900 waren bis zu 350 vor allem ita­lie­ni­sche und pol­ni­sche Arbei­ter damit beschäf­tigt, die um den Schreven­teich gele­ge­nen Pacht­gär­ten zu roden, neue Stra­ßen anzu­le­gen und die Grund­stü­cke für die Bebau­ung zu erschlie­ßen. Auch das Elek­tri­zi­täts­werk an der Hum­boldt­straße befand sich gerade im Bau. Nun, im kal­ten Januar 1901, konnte nicht gear­bei­tet wer­den. Alles andere als Ruhe herrschte jedoch auf dem zuge­fro­re­nen Teich. Neben Schlitt­schuh­läu­fern sorg­ten Män­ner bei der Eis­ernte für reges Trei­ben. … wei­ter­le­sen

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Das Wohnhaus des Kieler Hofes kurz vor dem Abriss im Jahr 1971. Foto: Stadtarchiv Kiel, Sammlung Magnussen.

Ein Bei­trag von Nils Han­sen in TOP 42

Heute erin­nern sich ver­mut­lich nur noch wenige Kie­le­rin­nen und Kie­ler an ihn, aber zumin­dest bis in die 1970er Jahre hin­ein war der Kie­ler Hof vie­len Ein­woh­nern der Stadt ein Begriff. Anfang des 17. Jahr­hun­derts gegrün­det, wurde die­ses Anwe­sen, ebenso wie der Hof Ham­mer im Süd­wes­ten Kiels, gele­gent­lich als „Stadt­gut“1 bezeich­net und lag in nord­west­li­cher Rich­tung eine knappe Stunde zu Fuß von der Alt­stadt ent­fernt. Der kür­zeste Weg dort­hin führte über die Vor­läu­fer der jet­zi­gen Hol­ten­auer und der Pro­jens­dor­fer Straße und dann auf Höhe des heu­ti­gen Hol­stein­sta­di­ons eine kurze Stre­cke nach Wes­ten den Müh­len­weg ent­lang. Im Jahr 1971 ver­schwand der Kie­ler Hof, als sein Gelände für den Bau der Stadt­au­to­bahn bzw. des Olof-Palme-Damms ein­ge­eb­net wurde. … wei­ter­le­sen

Gebietskarte von Meldorf mit der Gedenkstätte Niebuhrslust.

Ein Bei­trag von Jür­gen Chris­ti­an­sen in TOP 37

Dith­mar­schen 1778. In die­sem Jahr trat Cars­ten Nie­buhr (1733–1815) seine Stelle als Land­schrei­ber, heute ver­gleich­bar mit dem Amt der Kreis­ver­wal­tungs­di­rek­to­ren, in Mel­dorf an. Der aus Lüdingworth/Land Hadeln gebür­tige Bau­ern­sohn war Land­ver­mes­ser, Kar­to­graf, Mathe­ma­ti­ker und Natur­wis­sen­schaft­ler. … wei­ter­le­sen