ab 9:00 – Einlass und Anmeldung
10:00 – Begrüßung
10:30 – Michaela Fenske: Möglichkeiten sehen: Warum die Europäische Ethnologie die mehr als menschliche Perspektive braucht
Abstract Michaela Fenske
Seit den 2010er Jahren spielen in den deutschsprachigen Kultur- und Sozialwissenschaften andere als menschliche Lebewesen zunehmend eine wichtige Rolle. Diese Weitung der Perspektive erfolgte im Zuge der Rezeption posthumanistischer Theorien und angloamerikanischer Forschungen im Bereich der Environmental Humanities sowie der Multispecies Studies (Human-Animal Studies, Plant Studies, Extinction Studies inklusive). Die neuen Ansätze eint eine Perspektive auf die existentielle Bedeutung von mehr als menschlichem Leben für menschliches Werden und Gewordensein.
Der Impulsvortrag denkt am Beispiel der Forschungen des Würzburger Lehrstuhls für Europäische Ethnologie darüber nach, welches Entwicklungspotenzial die Multispecies Studies für die deutschsprachige Europäische Ethnologie haben. Die Alltagskulturwissenschaft erweitert damit ihre bereits vorhandene Expertise für den Umgang mit den Herausforderungen unserer Zeit um wesentliche Aspekte. Dazu gehört auch die stärkere Implementierung der Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Arbeitsfelder des Faches. Gerade Museen verfügen als populäre Lernorte über attraktive Möglichkeiten in diesem Bereich.
Der Impulsvortrag denkt am Beispiel der Forschungen des Würzburger Lehrstuhls für Europäische Ethnologie darüber nach, welches Entwicklungspotenzial die Multispecies Studies für die deutschsprachige Europäische Ethnologie haben. Die Alltagskulturwissenschaft erweitert damit ihre bereits vorhandene Expertise für den Umgang mit den Herausforderungen unserer Zeit um wesentliche Aspekte. Dazu gehört auch die stärkere Implementierung der Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Arbeitsfelder des Faches. Gerade Museen verfügen als populäre Lernorte über attraktive Möglichkeiten in diesem Bereich.
11:15 – Kaffeepause
11:45 – Philip Lüth: Siedlungsdynamik und Gewässerräume: Nutzungsstrategien an Schleswig-Holsteins Binnenseen im diachronen Wandel
Abstract Philip Lüth
Binnengewässer und ihre Inseln sind in Schleswig-Holstein weit mehr als topografische Besonderheiten – sie bilden über Jahrtausende hinweg zentrale Handlungsräume, in denen sich Siedlung, Mobilität und Ressourcennutzung verdichten. Im Fokus stehen Gewässer als zentrale Ressourcen- und Verkehrsachsen sowie als Faktoren, die Standortwahl, Erreichbarkeit und Nutzungsmöglichkeiten langfristig prägen. Ergänzend zeigen die Studien zu Seeninseln und zur Schwentine die Rolle von Binnengewässern und Seensystemen für Siedlung und Kommunikation in unterschiedlichen Zeitstellungen. Damit wird deutlich, dass Binnengewässer und ihre Inseln nicht nur naturräumliche Gegebenheiten sind, sondern als strukturierende Elemente Siedlung, Mobilität und Kommunikation über lange Zeiträume maßgeblich mitgeprägt haben.
12:30 – Mittagspause
13:30 – Thematische Kurzführungen durch das Freilichtmuseum
14:45 – Kyra Fuhrmeister-Hardt: „Ich bin Jägerin“: Körperlichkeit und Umweltbeziehungen über das Medium Fleisch
Abstract Kyra Fuhrmeister-Hardt
Der Vortrag untersucht Mensch-Umwelt-Beziehungen im Kontext der Jagd im Oldenburger Münsterland und geht der Frage nach, wie sich diese Relationen über das Medium Fleisch als verbindendes Element fassen lassen. Besonderes Augenmerk gilt weiblichen Jägern, deren wachsende Präsenz im Feld neue Dynamiken erzeugt und Fragen nach Körperlichkeit, Abgrenzung und Haltung neu verhandelt. Angesichts der steigenden Zahl an Jagdscheininhaber:innen in Deutschland und der damit verbundenen Konkurrenz um Jagdmöglichkeiten gewinnt die kulturwissenschaftliche Perspektive auf Jagende zusätzliche gesellschaftliche Relevanz. Ausgehend von einer ethnografischen Forschung, in der vielfältige und komplexe Formen menschlicher Verbindungen zur Umwelt sichtbar werden, rückt Fleisch als zentrales Analyseobjekt in den Fokus: Es erscheint zugleich als Nahrung und als Körper, als konsumierbare Ressource und als materielle Grundlage menschlicher Existenz. Diese doppelte Bedeutung eröffnet spezifische Einsichten in Prozesse der Identifikation, Verleiblichung und Wahrnehmung der Jagenden und ihrer Umwelt. Der Vortrag zeigt, dass Fleisch als materielles und symbolisches Bindeglied eine produktive Betrachtungsweise bietet, um Mensch-Umwelt-Verflechtungen zu analysieren. Es verbindet Körper und Welt auf multiple Weise und macht sichtbar, wie jagdliche Praktiken Umweltbeziehungen nicht nur reflektieren, sondern performativ hervorbringen.
Kurzbiografie Kyra Fuhrmeister-Hardt
- B.A. Europäische Ethnologie und Erziehungswissenschaften an HU Berlin und Panteion University Athen
- M.A. Empirische Kulturwissenschaft an Leuphana Universität und Universität Hamburg
- 11/23 – 10/2025 wiss. Volontärin am Kulturanthropologischen Institut Oldenburger Münsterland (KAI-OM)
- Seit 10/25 wiss. Mitarbeiterin am KAI-OM und PhD-Studentin an der Universität Innsbruck
- Forschungsschwerpunkte: Rural Studies, Gender und Queer Studies, Mensch-Umwelt-Beziehungen
- Mit-Herausgeberin: Bd. 15 (2022): Anthropology of Sex, Gender and Bodies. Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Alltägliches.
- Letzte Veröffentlichung: Hardt, Kyra: Girls who shoot. Kulturanthropologische Perspektiven auf Jagd, Natur und Geschlecht. In: Bischoff, Christine/Bolz, Manuel/Fischer, Norbert/Klein, Inga (Hrsg.): Geschichte Macht Geschlecht. Eine historisch-kulturwissenschaftliche Anthologie (= Schriftenreihe „Forum GenderWissen. Feministische Texte zur Frauen- und Geschlechterforschung“, Band 11). Hamburg: Zentrum
Gender & Diversity (ZGD) 2025, S. 160-183.
Kontaktdaten: hardt@kai-om.de
15:15 – Nadine Wagener-Böck: Keine Wackelaugen für Tannenzapfen? Über Schule als mehr-als-menschliche Angelegenheit im Anthropozän
Abstract Nadine Wagener-Böck
Spätestens mit dem Anspruch einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) sind Schulen angehalten, Herausforderungen des Anthropozäns zu begegnen, indem sie Schüler*innen dazu befähigen sollen, die Zukunft sozialer, gerechter und nicht zuletzt umweltfreundlicher zu gestalten. Gärten und Wälder gelten für Schulen dabei als Orte der Umweltbildung, die wesentliche Lernprozesse initiieren können, um einen Umgang mit der Polykrise einzuüben. Entsprechende Lehrerfortbildungen und Zertifizierungsprogramme binden Schulen ein in ein Geflecht an Institutionen und Initiativen, die alle darauf zielen, bei der Integration dieser Orte in den Schulalltag zu unterstützen. Hier wird versucht, Wissen zu vermitteln, welches zu helfen verspricht, das „Transformationsversprechen BNE“ (Budde/Blasse 2023) einzulösen. Wie sind solche Angebote und Kurse gestaltet? Welche Praktiken werden eingeübt? Welche Vorstellungen werden davon angeboten, wie ein Lernen von und mit der Natur, ein „re-wilding“ (Cremin 2025) von Schule und Unterricht aussehen könnte? Anhand meiner Feldforschungen in Schleswig-Holstein möchte ich diesen Fragen nachgehen und damit zugleich Einblicke in eine gegenwärtige Arbeit an und Imagination von Mensch-Natur-Beziehungen geben.
Kurzbiografie Nadine Wagener-Böck
Dr. Nadine Wagener-Böck ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Europäische Ethnologie/Empirische Kulturwissenschaft in Kiel tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der kulturwissenschaftlichen Bildungsforschung und der Materiellen Kulturforschung, die sich bisher in Projekten zu Umweltbildung, zu Unterrichtsalltag in der digitalen Transformation und zu Moor-PV in der Energiewende manifestieren.
15:45 – Abschlussworte
ab 16:00 – Ausklang bei Kaffee
