Das ehemalige Gasthaus „Deichschänke“ in Uetersen

Ein Bei­trag von Mat­thias Bun­zel in TOP 45

Das ehe­ma­lige Gast­haus „Deich­schänke“ liegt unmit­tel­bar an der Deich­schart, die die land­sei­tige Zufahrt zum Ueter­sener Klosterdeich-Hafen an der Pinnau bil­det. Auch wenn die ursprüng­li­che Funk­tion des Hau­ses heute auf den ers­ten Blick nicht mehr erkenn­bar ist, so haben doch viele Ein­woh­ner aus dem Ein­zugs­be­reich der Stadt Ueter­sen sowie aktive und ehe­ma­lige Was­ser­sport­ler der Region, die in der ers­ten Hälfte des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts gebo­ren sind, zum Teil noch sehr leb­hafte Erin­ne­run­gen an diese Schank­wirt­schaft. Dass die­ser Ort im Bewusst­sein der älte­ren Zeit­zeu­gen einen nach wie vor hohen Stel­len­wert ein­nimmt, ist ins­be­son­dere auf das Wir­ken und die Per­sön­lich­keit der letz­ten Wir­tin, von der die Gast­stätte betrie­ben wurde, zurück­zu­füh­ren. Nach Mar­ga­rete Kurth wird der Betrieb übli­cher­weise auch nicht mit sei­nem offi­zi­el­len Namen als „Deich­schänke“, son­dern als „Tante Grete“ bezeich­net: Der Name der Wir­tin ging im Laufe der Zeit quasi auf ihren gesam­ten Betrieb über.

Auszug aus der topographischen Karte Nr. 2323 (Uetersen), Maßstab 1:25000. Der Standort des damaligen Gasthauses Deichschänke ist umrahmt. Die Karte zeigt die Situation vor der Pinnaubegradigung und der Schaffung des Klosterdeich-Hafens. (Landesvermessungsamt Schleswig-Holstein 1955)
Aus­zug aus der topo­gra­phi­schen Karte Nr. 2323 (Ueter­sen), Maß­stab 1:25000. Der Stand­ort des dama­li­gen Gast­hau­ses Deich­schänke ist umrahmt. Die Karte zeigt die Situa­tion vor der Pinnau­be­gra­di­gung und der Schaf­fung des Klosterdeich-Hafens. (Lan­des­ver­mes­sungs­amt Schleswig-Holstein 1955)

Die Geschichte des Gast­hau­ses „Deich­schänke“ beginnt in der Zeit der Wende vom 18. zum 19. Jahr­hun­dert. Als damals der Schiffs­ver­kehr auf der Pinnau ins­ge­samt stär­ker wurde und damit auch der Betrieb an den Anle­ge­stel­len des Klos­ter­dei­ches zunahm, ent­stand hier der Bedarf für eine neue Restau­ra­tion, die vom Was­ser aus leicht zu errei­chen war.1 Im Jahr 1801 wurde am Knie des nahezu recht­wink­li­gen Fluss­lau­fes der damals noch unbe­gra­dig­ten Pinnau eine neue Schänke errich­tet, die zunächst den Namen „Zum grauen Gie­bel“ trug.2

Über die Betrei­ber der Wirt­schaft lie­gen für die Zeit zwi­schen der Errich­tung und dem Jahr 1893 keine gesi­cher­ten Infor­ma­tio­nen vor. Für die Zeit ab 1893 lässt sich aber sagen, dass der Betrieb der Gast­stätte bis zur Schlie­ßung des Lokals in den Hän­den einer Fami­lie blieb, näm­lich der Fami­lie Plump/Kurth. Peter Plump war zur Zeit der Über­nahme des Gast­stät­ten­be­trie­bes im Jahr 1893 bereits Hafen­meis­ter des Klos­ter­deich­ha­fens. Er hatte somit in der Fol­ge­zeit zwei für den Betrieb des Hafens wesent­li­che Auf­ga­ben inne.3 Im „Adreß­buch – für die Elb­ge­gend. Mit Geschäfts-Anzeiger und Uebersichts-Plan von Blan­ke­nese“ aus dem Jahr 1893 wird Peter Plump dem­entspre­chend auch unter der Adresse Deich­straße 33 als „Schank­wirt und Hafen­meis­ter“4 auf­ge­führt. Um diese Zeit wurde der Lauf der Pinnau auf Höhe der Gast­stätte erst­mals regu­liert, sodass auch grö­ßere Fracht­schiffe an den Klosterdeich-Anlegern vor Anker gehen und die benach­bar­ten Indus­trie­be­triebe belie­fern konn­ten.5

Für die Jahre 1904, 1914 und 1927 lie­gen ver­gleich­bare Adress­bü­cher vor, die alle­samt den Betrieb der Gast­stätte durch Peter Plump bele­gen. Aller­dings vari­ie­ren die Anga­ben zur Berufs­be­zeich­nung. So wird Herr Plump für das Jahr 1904 ledig­lich als Gast­wirt, für 1914 erneut als Gast­wirt und Hafen­meis­ter und für 1927 wie­derum bloß als Gast­wirt auf­ge­führt.6

Mag es hin­sicht­lich sei­ner Tätig­keit als Hafen­meis­ter des Ueter­sener Klos­ter­deich­ha­fens von Zeit zu Zeit Unter­bre­chun­gen gege­ben haben, so hatte er doch die Tätig­keit als Gast­wirt von 1893 an kon­ti­nu­ier­lich inne, bis er die Wirt­schaft an seine Toch­ter Mar­ga­rete Kurth, geb. Plump (1899–1989)7 abgab. Über den Zeit­punkt des Gene­ra­tio­nen­wech­sels gibt es unter­schied­li­che Anga­ben; sowohl das Jahr 19228 als auch das Jahr 19439 wer­den hier­für genannt.

In jedem Fall erlangte die Gast­stätte, die inzwi­schen offi­zi­ell den Namen „Deich­schänke“ erhal­ten hatte, unter der Ägide von Mar­ga­rete Kurth, gemein­hin Tante Grete genannt, als Aus­flugs­lo­kal beson­dere Berühmt­heit: „Es gab damals wohl kaum einen Ueter­sener, der nicht ein­mal in den urge­müt­li­chen, mit alten Delf­ter Flie­sen aus­ge­stat­te­ten Gast­raum hin­ein­ge­schaut hat.“10 Nicht nur die Atmo­sphäre des Gast­rau­mes, son­dern auch das beson­dere Wesen der Wir­tin trug dazu bei, dass der Begriff „Tante Grete“ in Ueter­sen und Umge­bung zu einem Syn­onym für gelebte Gast­lich­keit wurde: „Die sehr herz­li­che und reso­lute Wir­tin ließ […] junge Leute, die nicht viel Geld hat­ten, bei ihr in der Küche für ihre Fei­ern kochen. Nur die Getränke wur­den dann bezahlt“.11 Die Lage in unmit­tel­ba­rer Nähe der Pinnau, die ursprüng­lich eher funk­tio­nale Gründe gehabt hatte, trug nun ein Übri­ges dazu bei, dass neben den Fluss­schif­fern auch die erho­lungs­su­chen­den Ein­hei­mi­schen die­sen Ort mehr und mehr für sich ent­deck­ten: „Bei schö­nem Wet­ter konnte man auf dem Deich sit­zend den regen Schiffs­ver­kehr auf der Pinnau beob­ach­ten.“12 Dies galt natür­lich umso mehr auch für Was­ser­sport­ler. Beson­ders bei Mit­glie­dern des Was­ser­sport­ver­eins Ueter­sen, deren Boote im etwa drei Kilo­me­ter ent­fern­ten Stich­ha­fen im Orts­kern von Ueter­sen lagen, war „Tante Grete“ ein belieb­tes Ziel für kurze Aus­flugs­fahr­ten nach Fei­er­abend oder am Wochen­ende.13

Das Gasthaus „Deichschänke“ um 1959. Das Foto zeigt die Gaststätte aus der Perspektive des Pinnaudeiches. Im Vordergrund Mitglieder des Uetersener Wassersportvereins und weitere Gäste von „Tante Grete“. Anhand dieses Fotos entstand die Idee für den vorliegenden Text. (Archiv Siegfried Bunzel)
Das Gast­haus „Deich­schänke“ um 1959. Das Foto zeigt die Gast­stätte aus der Per­spek­tive des Pinn­au­dei­ches. Im Vor­der­grund Mit­glie­der des Ueter­sener Was­ser­sport­ver­eins und wei­tere Gäste von „Tante Grete“. Anhand die­ses Fotos ent­stand die Idee für den vor­lie­gen­den Text. (Archiv Sieg­fried Bun­zel)

Das Ver­hält­nis zwi­schen Frau Kurth und ihren Gäs­ten ging über das rein Geschäft­li­che offen­bar weit hin­aus, so dass die Gren­zen zwi­schen ver­wandt­schaft­li­chen, freund­schaft­li­chen und wirt­schaft­li­chen Bezie­hun­gen ver­schwam­men: „Tante Gre­tes Geburts­tag war jedes Jahr ein gro­ßes Fami­li­en­tref­fen. Obwohl sie keine eige­nen Kin­der hatte, traf sich bei ihr die gesamte Groß­fa­mi­lie, als deren Mit­tel­punkt sie galt. Für jeden hatte sie ein offe­nes Ohr. Dafür war sie in der Fami­lie und bei ihren Gäs­ten so sehr beliebt“.14

 

Adressangabe auf der Rückseite der Postkarte. Neben dem offiziellen Namen wird sicherheitshalber die allgemein gebräuchliche Bezeichnung „Tante Grete“ gleich mit angegeben. (Archiv Stadt- und Heimatgeschichtliches Museum Uetersen)
Adress­an­gabe auf der Rück­seite der Post­karte. Neben dem offi­zi­el­len Namen wird sicher­heits­hal­ber die all­ge­mein gebräuch­li­che Bezeich­nung „Tante Grete“ gleich mit ange­ge­ben. (Archiv Stadt- und Hei­mat­ge­schicht­li­ches Museum Ueter­sen)

Mar­ga­rete Kurth schaffte es, die Ein­hei­mi­schen für ihre Gast­wirt­schaft zu begeis­tern – ihrer Beliebt­heit bei der Berufs­schiff­fahrt tat dies jedoch kei­nen Abbruch. Bei ihr wur­den die Besat­zun­gen von Bag­ger­schu­ten ver­pflegt, die auf der Pinnau ihren Dienst ver­sa­hen. Als in den 1950er Jah­ren der Ueter­sener Stich­ha­fen aus­ge­baut wurde, um zusätz­li­che Kapa­zi­tä­ten für die Indus­trie­be­triebe im Orts­kern zu schaf­fen, kämpf­ten die Schif­fer dafür, dass die Anle­ge­stelle am alten Lösch­platz des Klos­ter­dei­ches erhal­ten blieb. Haupt­grund hier­für war nicht etwa die güns­tige Lage des Anle­gers – son­dern die Beliebt­heit von Tante Gre­tes Kneipe. Diese wäre vom Stich­ha­fen aus weit ungüns­ti­ger zu errei­chen gewe­sen.15 Es soll sogar vor­ge­kom­men sein, dass Kapi­täne mit Kurs auf Ueter­sen ihre Fahrt so auf die Tide abstimm­ten, dass sie sich bei Nied­rig­was­ser noch nicht im Orts­kern, son­dern erst auf Höhe des Klos­ter­dei­ches befan­den. Dies gab ihnen die will­kom­mene Mög­lich­keit, bei Tante Grete eine „Zwangs­pause“ ein­zu­le­gen.

Zudem fan­den die Zoll­kon­trol­len für ein­ge­führte Waren im Stich­ha­fen statt, und so bot die Ein­kehr bei Tante Grete zudem, falls not­wen­dig, auch die Mög­lich­keit, „die eine oder andere geschmug­gelte Ware [von Bord zu schaf­fen], bevor der Zoll kon­trol­lierte.“16

Auch wenn es über münd­li­che Aus­sa­gen hin­aus natur­ge­mäß schwer ist, hier­für Belege zu fin­den: Die Exis­tenz des Gast­hau­ses Deich­schänke und seine Attrak­ti­vi­tät für die Berufs­schiff­fahrt könn­ten somit maß­geb­lich dazu bei­ge­tra­gen haben, dass der Klos­ter­deich neben dem Stich­ha­fen als zweite Anle­ge­stelle auf Ueter­sener Gebiet erhal­ten blieb und im Zuge der Pinnau­be­gra­di­gung in den 1960er Jah­ren sogar zu einem voll­wer­ti­gen Sport­bootha­fen aus­ge­baut wurde.

Postkarte der „Deichschänke“ mit vier Motiven. Im Uhrzeigersinn, beginnend oben links: Die Gaststätte vom Pinnaudeich aus gesehen, der Tresenbereich, ein Kümo bei „Tante Grete“ vor Anker, der Gastraum. Die Innenansichten zeugen von der großzügigen Verwendung von Delfter Fliesen. (Archiv Stadt- und Heimatgeschichtliches Museum Uetersen)
Post­karte der „Deich­schänke“ mit vier Moti­ven. Im Uhr­zei­ger­sinn, begin­nend oben links: Die Gast­stätte vom Pinn­au­deich aus gese­hen, der Tre­sen­be­reich, ein Kümo bei „Tante Grete“ vor Anker, der Gast­raum. Die Innen­an­sich­ten zeu­gen von der groß­zü­gi­gen Ver­wen­dung von Delf­ter Flie­sen. (Archiv Stadt- und Hei­mat­ge­schicht­li­ches Museum Ueter­sen)

Dass „Tante Grete“ sich zu einem belieb­ten Aus­flugs­ziel ent­wi­ckelt hatte, lässt sich auch daran fest­ma­chen, dass Frau Kurth ihren Gäs­ten Post­kar­ten mit Moti­ven des Hau­ses anbot. Für ein rein auf der Berufs­schiff­fahrt basie­ren­des Publi­kum wäre dies ver­mut­lich nicht not­wen­dig gewe­sen. Zudem dürf­ten die Haus-Postkarten einen gewis­sen zusätz­li­chen Wer­be­ef­fekt gehabt und die Gast­stätte noch fes­ter im all­ge­mei­nen Bewusst­sein ver­an­kert haben.

 

Die umfang­rei­che Ver­wen­dung von Delf­ter Flie­sen bei der Aus­ge­stal­tung des Gast­rau­mes hat ihre eigene Geschichte, wie Jan-Otto Plump, Zim­mer­meis­ter aus der Nach­bar­schaft und quasi bei Tante Grete auf­ge­wach­sen, berich­tet.17 Ihm zufolge wurde der Wand­schmuck – ver­mut­lich zunächst als Bal­last – auf den Schif­fen hol­län­di­scher Deich­bauer mit­ge­bracht, die mit der Erneue­rung des Ueter­sener Klos­ter­dei­ches beauf­tragt wor­den waren. In Ueter­sen ange­kom­men, wur­den die Flie­sen als Ersatz-Zahlungsmittel zur Beglei­chung der Rech­nun­gen in der Deich­schänke genutzt und fan­den so als Deko­ra­ti­ons­ele­ment ihren Weg ist den Gast­raum. Jan-Otto Plump hatte den Plan, Frau Kurth zu einem rea­len wirt­schaft­li­chen Vor­teil zu ver­hel­fen. Er wollte die Flie­sen auf­grund ihres erheb­li­chen mate­ri­el­len Wer­tes aus der Wand her­aus­lö­sen und ver­kau­fen. Sie abzu­neh­men, erwies sich jedoch auf­grund der Ver­wen­dung von Muschel­kalk als Ver­bund­stoff bei der Anbrin­gung als unmög­lich. Jeder Ver­such führte unwill­kür­lich zur Zer­stö­rung der jewei­li­gen Fliese, sodass Herr Plump sein Vor­ha­ben schnell wie­der auf­gab und die Gast­stätte für die gesamte Dauer ihrer Exis­tenz mit wert­vol­ler Delf­ter Kera­mik aus­ge­stat­tet blieb.

Das ehemalige Gasthaus „Deichschänke“ im Jahre 2012. (Foto: Matthias Bunzel)
Das ehe­ma­lige Gast­haus „Deich­schänke“ im Jahre 2012. (Foto: Mat­thias Bun­zel)

Herr Plump erin­nerte sich im Gespräch zudem leb­haft an die Atmo­sphäre, die bei „Tante Grete“ herrschte. So legte Frau Kurth gro­ßen Wert dar­auf, dass der Gast­stät­ten­be­trieb mehr war als der bloße Kon­sum von Spei­sen und Geträn­ken. Ihre Gäste soll­ten sich bei ihr unbe­dingt wohl­füh­len. Diese Auf­fas­sung führte dazu, dass Frau Kurth ihre Gast­stätte bis­wei­len kur­zer­hand schloss, wenn sie die Stim­mung als trübe emp­fand – aber nicht, um ihre Gäste nach Hause zu schi­cken, son­dern um mit ihnen gemein­sam Aus­flüge nach Glück­stadt oder gar nach St. Pauli zu unter­neh­men, und zwar auf Rech­nung der Wir­tin.

Die Mög­lich­keit anschrei­ben zu las­sen, war bei Geld­knapp­heit der Gäste obli­ga­to­risch, und oft­mals wurde über­haupt nur ein Teil der kon­su­mier­ten Lebens- und Genuss­mit­tel in Rech­nung gestellt. Da sie Eigen­tü­me­rin des Hau­ses war und dem­zu­folge nur geringe lau­fende Kos­ten hatte, ergriff sie gern die Gele­gen­heit, sich gegen­über ihrem Publi­kum groß­zü­gig zu zei­gen.

Musi­ka­li­sche Ein­la­gen gehör­ten wie selbst­ver­ständ­lich zum Gast­stät­ten­be­trieb dazu. In ers­ter Linie wurde Akkor­deon gespielt. Herr Pent­zien, ein Fisch­händ­ler aus der Nach­bar­schaft, über­nahm diese Auf­gabe gern. Wenn er eine Pause benö­tigte, ließ er sich von sei­nen Söh­nen an sei­nem Instru­ment ver­tre­ten, die dann eigens dafür zu Tante Grete beor­dert wur­den.

Der Ehe­mann von Frau Kurth, der selbst zur See fuhr, hielt sich übri­gens aus dem Betrieb der Gast­stätte stets her­aus. Er trat sel­ten in Erschei­nung und war bei den Gäs­ten der Kneipe eher unbe­kannt. Frau Kurth ging 1962 im Alter von 63 Jah­ren offi­zi­ell in den Ruhe­stand. Sie blieb aber in ihrem Haus woh­nen und führte den Betrieb zunächst im Klei­nen wei­ter. Im Laufe der Zeit zog sie sich aus dem Gast­ge­werbe zurück und ver­starb 1989 im Alter von 90 Jah­ren. Da sie kin­der­los geblie­ben war und in der wei­te­ren Ver­wandt­schaft nicht der Wunsch bestand, das Haus zu über­neh­men, wurde es nach ihrem Tod ver­kauft und in ein Mehrfamilien-Wohnhaus umge­wan­delt. Heute erin­nert äußer­lich nicht mehr viel an die Ver­gan­gen­heit als öffent­li­ches Haus, obwohl die bau­li­chen Ver­än­de­run­gen bis auf das Ent­fer­nen von Schrift­zü­gen und den Ein­bau neuer Fens­ter ver­hält­nis­mä­ßig gering geblie­ben sind. An dem für diese Region cha­rak­te­ris­ti­schen grün-weißen Gie­bel erken­nen Ein­ge­weihte das Haus mit der über über zwei­hun­dert­jäh­ri­gen Geschichte auch heute noch auf den ers­ten Blick wie­der.

Margarete Kurth. (Foto: Geschichtswerkstatt Uetersen)
Mar­ga­rete Kurth. (Foto: Geschichts­werk­statt Ueter­sen)

Mar­ga­rete Kurth ver­kör­perte den Typus des Gastwirtes/der Gast­wir­tin, bei dem/der die Bezie­hung zur Gast­stätte und den Gäs­ten weit über das rein Beruf­li­che hin­aus­geht, so dass Pri­vat­le­ben und Beruf nicht mehr von­ein­an­der zu tren­nen sind. Die Deich­schänke wurde durch ihr Natu­rell für Besu­cher des Hau­ses zu einem Kom­mu­ni­ka­ti­ons­raum und für sie selbst zu einem Dreh- und Angel­punkt der Bezie­hun­gen zur Außen­welt.

 

An ihrem Bei­spiel zeigt sich, dass „Gast­wirt zu sein“ oft nicht ein­fach ein Beruf, son­dern viel­mehr ein Lebens­ent­wurf ist. Auch heute gibt es noch gas­tro­no­mi­sche Betriebe, die unter dem Namen ihres Betrei­bers bekann­ter sind als unter ihrer offi­zi­el­len Bezeich­nung. Oft­mals bie­ten diese Betriebe mit ihrer Mischung aus per­sön­li­cher Note und tra­di­tio­nel­ler Behag­lich­keit sehr über­ra­schende und erfreu­li­che Ausgeh-Erlebnisse. Es ist ein Stück Lebens­qua­li­tät, dass es diese Erleb­nisse nach wie vor gibt, und es macht Freude, mit dem einen oder ande­ren Besuch zur Erhal­tung die­ser Art gas­tro­no­mi­scher Betriebe selbst bei­zu­tra­gen.

Literatur

  • Brütt, Ernst/ Ger­hard Schar­fen­stein (1995): Ueter­sen und seine Ein­woh­ner in den letz­ten 150 Jah­ren. Ueter­sen.
  • Geschichts­werk­statt Ueter­sen (2009): Por­träts Ueter­sener Frauen. Ueter­sen.
  • Rahn, Michael (2006): Erin­ne­run­gen an die Jacobs-Werft, in: Ham­bur­ger Abend­blatt v. 11. März 2006. Abge­ru­fen auf: http://www.abendblatt.de/region/pinneberg/article790737/Erinnerungen-an-die-Jacobs-Werft.html, Stand 20.10.2012.
  • Sön­nich­sen, Mar­len (2003/04): Die Pinnau. Von der Klapp­brü­cke bis zur Dreh­brü­cke. Ueter­sen. Abge­ru­fen auf: http://www.die-pinnau.kulturgemeinschaft-tornesch.de/dateien/copyright.htm, Stand: 20.10.2012.
  • Wolff, Jür­gen (2011): Die Pinnau im Laufe der Jahr­hun­derte, Teil I und II (= Ansichts­kar­ten. Ein Spie­gel der geschicht­li­chen Ent­wick­lung Ueter­sens, Folge 7/8.). In: Ueter­sener Nach­rich­ten Nr. 235, 8.10.2011, S. 10 und Nr. 241, 15.10.2011, S. 10.

Fußnoten

  1. Vgl. Wolff 2011.
  2. Vgl. Wolff 2011.
  3. Vgl. Wolff 2011. Ob der Hafen­meis­ter bereits vor­her in Per­so­nal­union auch Gast­wirt war, ist nicht bekannt.
  4. Vgl. Brütt/Scharfenstein 1995, S. 32. Das genannte Adress­buch stellt die älteste der­zeit bekannte Quelle dar, mit deren Hilfe die Abfolge der Betrei­ber die­ser Gast­stätte rekon­stru­iert wer­den kann.
  5. Vgl. Sön­nich­sen 2003/2004.
  6. Vgl. Sön­nich­sen 2003/04, S. 42, 61 und 71. Dies lässt zwei unter­schied­li­che Erklä­rungs­an­sätze zu. Ent­we­der kam es bei den Berufs­an­ga­ben in den vor­lie­gen­den Adress­bü­chern zu gewis­sen Unge­nau­ig­kei­ten, oder Herr Plump gab die Tätig­keit als Hafen­meis­ter im Laufe sei­nes Berufs­le­bens zwi­schen­zeit­lich mehr­mals ab, um sich auf den Betrieb der Gast­stätte kon­zen­trie­ren zu kön­nen.
  7. Vgl. Geschichts­werk­statt Ueter­sen 2009, S. 20.
  8. Vgl. Geschichts­werk­statt Ueter­sen 2009, S. 20.
  9. Vgl. Wolff 2011.
  10. Geschichts­werk­statt Ueter­sen 2009, S. 20.
  11. Geschichts­werk­statt Ueter­sen 2009, S. 20.
  12. Geschichts­werk­statt Ueter­sen 2009, S. 20.
  13. Aus­kunft von Sieg­fried Bun­zel, der Ende der 1950er Jahre selbst Mit­glied im Ueter­sener Was­ser­sport­ver­ein und Gast bei Tante Grete war.
  14. Geschichts­werk­statt Ueter­sen 2009, S. 20.
  15. Vgl. Rahn 2006.
  16. Vgl. Rahn 2006.
  17. Die Namens­gleich­eit zwi­schen Jan-Otto Plump und dem Geburts­na­men von Mar­ga­rete Kurth ist zufäl­lig und geht nicht auf ein Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis zurück. Das Gespräch, auf das sich die fol­gen­den Pas­sa­gen die­ses Tex­tes bezie­hen, fand am 5. Okto­ber 2012 im Wohn­haus von Herrn Plump in Ueter­sen statt. Teil­neh­mer: Jan-Otto Plump, Sieg­fried Bun­zel, Mat­thias Bun­zel.

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